Hackschnitzel - Elmar Karg versorgt das eigene Haus und vier andere Gebäude
Die Frage, welche Heizungsanlage für die nächsten Jahrzehnte die richtige Lösung ist, beschäftigt viele Menschen. Elmar Karg aus Hergatz hat sich selbst für eine Hackschnitzelanlage entschieden und versorgt mit einem eigenen Fernwärmenetz seit einigen Monaten vier Gebäude im Umfeld gleich mit.
Ein typisches Allgäuer Bauernhaus bewohnt der 37-jährige Elmar Karg mit seiner Familie im Hergatzer Ortsteil Schreckelberg. Geheizt wurde ebenfalls auf typische Weise: Mittels Kachelofen wurden das Wohnzimmer und zwei Schlafräume gewärmt, mit einem Ofen die Küche. Im Bad kam ein Ölofen und die einzige Innovation zum Einsatz: Eine Wärmerückgewinnungsanlage in Verbindung mit der Milchkühlung.
Als eine umfangreiche Renovierung anstand, begannen die Überlegungen rund um eine zukunftssichere Heizungsanlage. Da zum Anwesen zwei weitere Gebäude gehören, kam schnell der Gedanke auf, sie mittels einer zentralen Anlage ebenfalls mit Wärme zu versorgen. Zwei ebenfalls in der Nähe wohnende Onkel kamen dann auf ihn zu und beteiligten sich an der Diskussion. Varianten wie eine Erdwärme- oder eine Biogas-Anlage wurden schnell verworfen. Eine Hackschnitzelanlage wurde bald zum Favoriten und gemeinsam mit seinen Verwandten machte sich Elmar Karg auf um installierte Anlagen zu besichtigen. "Uns war wichtig, dass die Anlagen seit Jahren in Betrieb sind", so Karg.
Hervorragend beraten fühlte er sich vom Lindenberger Unternehmen Stiefenhofer und so fiel 2008 die Entscheidung für eine 75-Kilowatt-Anlage, die im Dezember des gleichen Jahres installiert wurde, um zunächst aber nur den Rohbau von Elmar Karg zu heizen. Im vorigen Jahr dann halfen alle Familienmitglieder mit und verlegten eine 260 Meter lange Fernwärmeleitung. «Die Baggerarbeiten haben wir in Eigenregie erledigt, für die Installation der einzelnen Komponenten ließen wir die Fachleute ran», erinnert sich Karg. Frostsicher in 1,50 Meter Tiefe wurde die Leitung verlegt, mittels Bohrung die Wände der vier anderen Gebäude überwunden.
Im jeweiligen Haus befinden sich eine Übergabestation und ein Wärmeeinheitenzähler - denn die Kosten sollen künftig entsprechend dem Verbrauch verteilt werden. Ein Onkel ersetzte damit die in die Jahre gekommene Anlage, beim anderen Onkel ist wahlweise ein Bezug der Fernwärme oder die Nutzung der vorhandenen Ölheizung möglich.
Überzeugt hat alle Beteiligten der Umweltgedanke: "Wir heizen jetzt weitgehend CO²-neutral. Das notwendige Holz haben wir selbst und mussten bislang nur wenig hinzukaufen", stellt Landwirt Karg fest. Zweimal im Jahr wird er nun vorhandenes Holz in Schnitzel hacken. Denn rund 150 Kubikmeter benötigt er pro Jahr, um die fünf Gebäude und die darin wohnenden 20 Personen mit Wärme zu versorgen. "Hätten wir nicht ohnehin die notwendigen Maschinen würde das wohl keinen Sinn machen", ist Karg überzeugt. Und einiges an Platz benötigt er auch, denn die Hackschnitzel sollten möglichst ein bis zwei Jahre lagern, um nicht zu feucht zu sein: "Im Idealfall verdoppelt sich dann der Heizwert" (Karg).
Stolz ist Karg, dass sich die Anlage auch ohne Förderung rechnen wird: "Ganze 200 Euro haben wir an Fördergeldern erhalten, das wirkt sich natürlich nicht aus". Schon nach dem ersten Winter ist angesichts des derzeitigen Ölpreises klar, dass alle Beteiligten preiswerter geheizt haben als in der Vergangenheit. Insgesamt 50000 Euro wurden in die Anlage sowie die Fernwärmeleitung investiert. "Aufgeteilt auf fünf Anwesen ist das preiswerter als eine neue Heizung für jedes Gebäude", rechnet Karg vor. Und sein Onkel Peter nickt zustimmend und ist begeistert: "Wir wollten ohnehin weg vom Öl". Das ist jetzt gelungen.
Ende 2011 wollen die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm in Senden ein Holzgas-Heizkraftwerk in Betrieb nehmen. Ein Langenauer Landwirt arbeitet mit der zukunftsweisenden Technik bereits seit mehr als einem Jahr.
Technikpioniere findet man nicht nur in den Forschungslaboren weltweit agierender Industriegiganten. Manchmal arbeiten sie auch in einer unscheinbaren Garage. Oder neben einem Hühnerstall außerhalb von Langenau, wo der Landwirt Wilhelm Buck ein Holzgas-Heizkraftwerk betreibt.
Das Prinzip der Holzvergasung ist zwar schon lange bekannt - man denke etwa an die Autos, die im und nach dem Zweiten Weltkrieg so angetrieben wurden. Dann aber war die Technik jahrzehntelang nicht mehr gefragt. Andere Energieträger wie Kohle, Öl oder Uran waren billig und schienen auf ewig problemlos verfügbar zu sein.
Die Zeiten und Ansichten haben sich geändert. Derzeit bauen die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) in Senden ein Holzgas-Heizkraftwerk. Ein "vorbildhaftes Projekt der dezentralen Energieerzeugung, in dem das Prinzip der Holzvergasung erstmals kommerziell genutzt wird", betonen die SWU.
In dieser Größenordnung mag das zutreffen. Doch in kleinerem Maß nutzt Bauer Buck diese Technik schon seit etwa einem Jahr. Das verdankt er auch der Unterstützung durch seinen Bruder Ernst, der in Beimerstetten eine auf Heizungs- und Energietechnik spezialisierte Firma betreibt - und damit auch die nötigen Fachkenntnisse hat. "Die serienreife Anlage wurde Juli 2009 in Betrieb genommen. Vorher hatten wir hier einen Prototypen stehen", sagt Ernst Buck in einem Nebengebäude des 1500 Quadratmeter großen Hühnerstalls, in dem das exotisch anmutende Blockheizkraftwerk untergebracht ist.
Bassano del Grappa (pte/30.03.2010/16:30)
Der in der Nähe von Vicenza beheimatete Heizungshersteller Baxi www.baxi.it hat eine neuartige Gasheizung vorgestellt. Mit dem Wandgerät "Baxi Ecogen" kann neben Heizwärme und Warmwasser auch elektrischer Strom für den Hausgebrauch erzeugt werden. Herzstück des 95 mal 45 mal 42 Zentimeter großen Gas-Brennwertheizgerätes ist ein auf sechs Kilowatt thermische und ein Kilowatt elektrische Energie ausgelegter Stirlingmotor mit Wärmekraftkopplung.
"Mit unserem System der sogenannten 'Combined Heat and Power' werden wir zu den Vorreitern der umweltfreundlichen Kleinerzeugung von Strom werden", erklärte Baxi-Hauptgeschäftsführer Tonino Vettori. Diese besonders geräuscharme, die Verdunstungswärme nutzende Heizung biete einen gegenüber herkömmlichen Verbrennungssystemen um 30 Prozent höheren Wirkungsgrad unter gleichzeitiger Senkung des Kohlendioxidausstoßes um 20 Prozent. 300 Euro weniger Heizkosten
"Bei einer 150 Quadratmeter großen Wohnung bedeutet dies 1.500 Kilogramm CO2-Emission weniger und um 300 Euro niedrigere Heizkosten im Jahr", so Vettori weiter. Durch die Kombination beider Systeme könnten die Gestehungskosten für sechs Kilowatt Heizwärme und ein Kilowatt Strom von 65 auf 50 Cents gesenkt werden. Die gegenüber herkömmlichen Modellen entstehenden Mehrkosten bei der Anschaffung machten sich bereits nach drei bis fünf Jahren bezahlt. Neben dem handelsüblichen Erdgas könne die Ecogen auch mit Biogas betrieben werden.
Quelle: Pressetext-Austria